Ju-Jutsu ist ein modernes, offenes Selbstverteidigungssystem für die Praxis des täglichen Lebens sowie klassische Kampfkunst in einem. Ju-Jutsu als (übersetzt) „sanfte Kunst“ basiert hauptsächlich auf Selbstverteidigungstechniken. Jede Verteidigungstechnik ist gegen mehrere Angriffsarten anwendbar, und durch beständiges Üben werden die Bewegungsabläufe automatisiert. In Kombinationen können die Techniken dann sinnvoll verbunden und in der freien Verteidigung gegen freie Angriffe als echte Selbstverteidigung angewendet werden. Bei dieser Methode wird bereits mit einer kleinen Auswahl von Verteidigungstechniken von Anfang an ein größtmöglicher Nutzeffekt durch variable Anwendung erzielt. Bestehende Konzepte werden kontinuierlich erweitert und optimiert, ohne sich an die Einschränkungen bestimmter Stile oder Philosophien zu halten. Der Sport wird durch den Dachverband „Deutscher Ju-Jutsu-Verband (DJJV)organisiert. Dieser entwickelt auch das Regelsystem weiter, regelt die Prüfungsvorschriften, verleiht Gürtelgrade und organisiert Wettkämpfe.
Die Wurzeln des Ju-Jutsu sind Aikido, Judo und Karate. Aus jeder dieser Kampfkünste wurden die für das System Ju-Jutsu besten Techniken vereint. Die Techniken wurden auf die Bedürfnisse des Ju-Jutsu abgestimmt und werden deshalb nicht zwingend genau so ausgeführt wie in der Original-Budosportart, der sie entstammen.
Aikido : Hebel und Wurftechniken
Judo : Wurftechniken und Bodentechniken
Karate : Schlag/Stoß und Tritttechniken.
Durch die Reformierung im Jahr 2000 sind über die drei oben genannten Kampfstile hinaus Techniken aus Kampfsportarten wie Kick- oder Thaiboxen, Kali-Arnis-Eskrima, Ringen usw. aufgenommen worden. Beispielsweise wurde die Messer- und Stockabwehr zum Großteil den philippinischen Kampfkünsten entnommen.
1967 wurden Franz-Josef Gresch, Werner Heim, Otto Brief, Richard Unterberger, Klaus Münstermann und weitere Dan-Träger vom Deutsches Dan-Kollegium damit beauftragt, Techniken aus Jiu Jitsu, Judo, Karate, Aikido und anderen Kampfsportarten zu einem neuen Selbstverteidigungssystem zusammenzustellen. Auftraggeber war das Bundesinnenministerium, das für Polizei, Zoll, Justiz und Streitkräfte ein effektives, stiloffenes und -übergreifendes System der waffenlosen Selbstverteidigung suchte. So nahm man aus den erwähnten Kampfkunststilen diejenigen Techniken, die für die tägliche Praxis dieser Berufsgruppen am sinnvollsten erschienen und fasste sie zusammen. Da die „sanften“ Techniken gegenüber Tritten und Schlägen überwogen, nannte man das Ganze „Sanfte Kunst“, Ju-Jutsu. Die erste vollständige Fassung des neuen Regelsystems wurde am 22. April 1969 veröffentlicht. 1990 wurde der eigenständige Dachverband „Deutscher Ju-Jutsu Verband“ gegründet, welcher unabhängig vom Deutschen Judobund dem Deutschen Dan-Kollegium ist. Die Bundesgruppe Ju-Jutsu im Deutschen Dan Kollegium hat sich im Jahr 1992 aufgelöst. Im Jahr 2000 im DJJV wurde eine neue Prüfungsordnung in Kraft gesetzt. Unter der Leitung von Bernd Hillebrand, 6. Dan und damaliger Technischer Direktor im DJJV, hat eine Arbeitsgruppe das Programm grundsätzlich überarbeitet. Aspekte des methodischen Aufbaus, Verbesserung des Zweikampfverhaltens und eine deutlich breitensportlichere, auf Wettkampf gerichtete Ausrichtung standen dabei im Vordergrund.
Durch sein offenes Konzept fand Ju-Jutsu schnell Anhänger unter den Bediensteten der Sicherheitsbehörden (Polizei, Justiz, Bundespolizei, Zoll), die es als waffenlose Selbstverteidigung in ihrer Behörde kennen gelernt hatten. Diese trugen es aus den Behörden in Sportvereine, und bald entstanden unterschiedlichste Dachverbände, in denen Ju-Jutsu betrieben wurde. Um organisierten Sport in Form von Wettkämpfen zu betreiben, und um einheitliche und vergleichbare Graduierungsstandards zu haben, erließen diese Verbände für ihre Bereiche gültige Prüfungs- und Wettkampfordnungen, so dass Ju-Jutsu in der Folge nicht mehr das so gänzliche offene System wie ehedem war.
Auch wenn diese Prüfungsordnungen den Umfang der Techniken nicht beschnitten, sondern lediglich festlegten, welche Techniken mindestens für eine Graduierung erbracht werden müssen, entstand für viele, auch viele Ju-Jutsuka, der Eindruck, dass es sich nur bei diesen Techniken um die „amtlichen“ Techniken handele. Verschiedenste Prüfungs- und Wettkampfvorschriften waren bundesweit verbreitet.
Ju-Jutsu besteht unter anderem aus folgenden Elementen:
Falltechniken, Bodentechniken, Abwehrtechniken, Schlag-Tritttechniken, Wurftechniken,
Hebeltechniken, Sicherungstechniken, Nothilfetechniken und Waffenabwehr.
Ju bedeutet nachgeben oder ausweichen oder wörtlich „sanft“, Jutsu „Kunst“ oder „Kunstgriff“. Der Begriff Ju-Jutsu bedeutet somit in etwa „Sanfte Kunst“. Ju-Jutsu ist also die Kunst, durch Nachgeben bzw. Ausweichen mit der Kraft des Angreifers zu siegen. Falls erforderlich, kann ein Angriff jedoch auch in direkter Form mit Atemi-Techniken (Schlag-, Tritt- und Blocktechniken) abgewehrt werden. Alle Angriffe kann in harter oder weicher Form nach dem Prinzip der Verhältnismäßigkeit begegnet werden. Daher ist die freie Übersetzung von Ju „flexibel“. Also ist Ju-Jutsu die Kunst, flexibel bzw. vielseitig auf einen Angriff zu reagieren.
Der Gürtelgrad zeigt den Fortschritt einer Person im Ju-Jutsu an. Erworben wird der Gürtel durch Bestehen einer Prüfung oder durch Verleihung. Dan-Grade, die höher als 5. Dan sind, können nur noch verliehen werden. Man unterscheidet gemeinhin in Schüler- (Kyu-) und Meister- (Dan-)Grade. Träger des 6. Dan oder höher werden auch als Großmeister bezeichnet.
Prüfungen bis zum 3. Kyu werden im Verein durchgeführt. Die Prüfungen zum 1. und 2. Kyu werden in manchen Bundesländern auch noch im Verein, in anderen jedoch auf Landesebene durchgeführt. Grundsätzlich wird bei einer Prüfung zum 1. oder 2. Kyu ein zweiter, vereinsfremder Prüfer hinzugezogen.
Kyu-Graduierungen der Schüler im Ju-Jutsu:
6. Kyu (weiß), 5. Kyu (gelb), 4. Kyu (orange), 3. Kyu (grün), 2. Kyu (blau), 1. Kyu (braun).
Schülergrade unter 14 Jahren
Für Kinder wurde zur Hinführung zum nächsten Vollgurt und zur Motivation eine Kinderprüfungsordnung erstellt. Bei Kindern werden die Grade wie folgt aufgeteilt:
6. Kyu (weiß), 6.1 Kyu (weiß mit gelbem Aufnäher), 6.2 Kyu (weiß/gelb), 5. Kyu (gelb),
5.1 Kyu (gelb mit orangen Aufnäher), 5.2 Kyu (gelb/orange), 4. Kyu (orange), 4.1 Kyu (orange/grün)3. Kyu (grün), 2. Kyu (blau).
Meistergrade (Dan)
1. bis 5. Dan schwarz, 6. Dan aufwärts rot/weiß
Am Gürtelende können Streifen zur Unterscheidung der Dan-Grade getragen werden. Es ist auch möglich, Rot-Schwarz anstatt Rot-Weiß zu tragen.
Wettkampfsysteme
Im Ju-Jutsu finden verschiedene Wettkämpfe statt, welche von unterschiedlichen Gruppen und Verbänden ausgerichtet werden. Die Disziplinen sind Duo-System, Fighting-System, Formenwettkampf sowie der Allkampf.
Das Ju-Jutsu Fighting und Duo System unterscheiden sich in erster Linie darin, dass beim Fighting jeder für sich („Mann gegen Mann“ mit frei wählbaren Techniken und Taktiken) kämpft. Beim Duo geht ein Kämpferpaar an den Start und präsentiert perfekte und spektakuläre Selbstverteidigungskombinationen, die von 5 Kampfrichtern (vergleichbar dem Eiskunstlauf) mit 1 bis 10 Punkten bewertet werden. Beide Kampfformen werden auf einer Mattenfläche von 12 x 12 Metern ausgetragen. Beim Fighting sind ein Hauptkampfrichter (HK) und zwei Seitenkampfrichter (SK) im Einsatz, beim Duo ein Hauptkampfrichter und fünf Seitenkampfrichter.